Gemeinsam statt einsam – Weihnachten mit Hilfsbedürftigen

Veröffentlicht: 17. Mai 2010 in Aachen

Aachen. Weihnachten ist eine besondere Zeit: Ein Fest der Familie, ein Fest der Begegnung. Allerdings verbringt jeder Zehnte in Deutschland das Weihnachtsfest ganz alleine zu Hause. Ohne Familie, ohne Freunde und ohne Weihnachtsbraten. Die Vereinsamung vieler Menschen an Weihnachten ist immer noch ein Tabuthema, doch letztendlich geht es jeden etwas an. Viele Alleinstehende spüren an Heiligabend ihr Alleinsein doppelt schwer. Weihnachten ist traditionell ein Familienfest. Auch in der Weihnachtsgeschichte werden Themen wie Familie, Gemeinschaft und Zusammenhalt aufgegriffen. Dadurch wird vielen Menschen besonders deutlich, dass sie eben diese Gemeinschaft nicht haben. Vor allem viele alte Menschen sind während der Weihnachtstage einsam. Erinnerungen und manchmal auch ein Stück weit Trauer keimt an den Weihnachtstagen besonders schnell auf. Ein geschmückter Christbaum, Geborgenheit und Geschenke – für viele Menschen bleibt das an Weihnachten ein Wunschtraum. Für rund 20 Arme, Einsame und Bedürftige erfüllte St. Fronleichnahm am Heiligabend diesen Traum im festlich geschmückten Josefshaus im Ostviertel. Um 19 Uhr öffneten sich hier die Türen zum Weihnachtsfest. Ganz zwanglos und ohne Dresscode kamen ganz unterschiedliche Menschen zusammen, die den Heiligabend nicht alleine verbringen wollten.

Herzlich wurde jeder Gast am Eingang persönlich willkommen geheißen.

Nachdem alle Platz genommen hatten, wurde erst einmal das Essen aufgetragen, denn niemand sollte hungrig an der anschließenden Weihnachtsfeier teilnehmen.

Fünf Stunden an zwei Tagen standen je zwei Ehrenamtlerinnen in der Küche, um das Festmahl vorzubereiten. Es hatte sich gelohnt – ganz offensichtlich schmeckte es hervorragend, denn plötzlich war es mucksmäuschenstill im Raum. „Wie bei Muttern“, kam es einer Dame mit glänzenden Augen über die Lippen, als der volle Teller vor ihr stand.

Der Tannenbaum glänzte in seiner vollen Pracht, die langen Tische waren festlich gedeckt und vor jedem Gast brannte ein Friedenslicht, welches eigens für diesen Anlass von den Pfadfindern vorbeigebracht wurde. Bei Wein und Kerzenschein verlas Gemeindereferent Josef Gerets nach dem Essen das Weihnachtsevangelium. Im Anschluss wurde gemeinsam musiziert, es wurden Gedichte vorgetragen und sich gegenseitig Geschichten erzählt.

Seit neun Jahren organisieren die ehrenamtlichen Helfer rund um Josef Gerets nun bereits die Weihnachtsfeier am Heiligen Abend. Sie gehört inzwischen zur Aachener Weihnacht wie Lebkuchen und Zimtsterne, vielen Menschen in der Stadt würde ohne sie etwas fehlen. „Weihnachten ist eine Herzensangelegenheit. Und es ist Aufgabe der Kirche, für die Menschen, die keinen anderen haben, einen Ort der Freude und der Gemeinschaft zu schaffen. Mittlerweile ist es für viele eine Pilgerstätte geworden“, freut sich der Gemeindereferent über den Abend. „Heut morgen war ich im Klösterchen frühstücken, heut Mittag in der Bahnhofsmission und heut Abend bin ich hier. Wenn es das Josefshaus nicht gäbe, wüsste ich nicht, was ich machen sollte, wenn es dunkel wird. Dann kommen bei mir an Heiligabend immer die Erinnerungen hoch…“, gesteht einer der Gäste. So wie ihm geht es wohl einigen in der Runde und umso dankbarer sind sie für das einzigartige Angebot im Josefshaus Weihnachten feiern zu dürfen.

Veröffentlicht: Aachener Zeitung

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