hide!

Veröffentlicht: 17. Mai 2010 in Theater

Aachen. „Das soll ein bisschen traurig, dramatisch sein“, weist Boris Bansbach seinen Saxophon-Schüler Jonas an. Eine Tonfolge ertönt, doch der Lehrer, der sonst die FH-Big Band leitet, scheint nicht zufrieden. Er summt die Melodie lieber noch einmal vor, während er dazu mit der rechten Hand den Takt schnipst. In dem Proberaum in der MuFAB stehen vier Jugendliche mit ihren Instrumenten – Füße wackeln im Takt, die Augen heften sich an die Partitur auf den Notenblättern fest. Auf ein Neues versucht das Ensemble mit Trompete, Posaune und zwei Saxophonen die gewünschte Melodie umzusetzen. Einer kommt aus dem Takt und wie bei einem Dominospiel kippt einer nach dem anderen vor Lachen fast um. Macht nix! Weitermachen! Soll ja Spass machen! Mit jeder Menge Enthusiasmus fachsimpeln die Bläser des Orchesters des Schülermusicals „hide!“ und üben ihre Parts. Heute proben sie das Thema des Inspektor Murrows. Diszipliniert und straight spielen die vier Bläser ihre Töne immer und immer wieder, bis es endlich sitzt – und als ob sie das jeden Tag so machen würden. Die Professionalität, mit denen die Jugendlichen hier an ihre Arbeit gehen, kennzeichnet das Schülermusical, welches in Kooperation mit der MuFab Aachen sowie dem Theater 99 aufgeführt wird. 11 Schauspieler und 9 Musiker, zwischen 14 und 19 Jahren stellen die Inszenierung der berühmten Novelle rund um Dr. Jackyll und Mr. Hide auf die Beine.

Angefangen hat es mit einem Casting, bei dem die Schülerinnen und Schüler um ihre Rollen konkurrierten. Das Interesse an dem Schülermusical war so groß, dass sogar Jugendliche aus dem Ruhrpott angereist kamen. „Es ging nicht darum auszusortieren, sondern zu fördern“, erklärt Christian Wernekinck, der für Text, Musik und Dramaturgie verantwortlich ist und die Schülergruppe maßgeblich anleitet. Dem engagierten Gymnasiallehrer steht bei der Umsetzung seines ambitionierten Projektes professionelle Unterstützung zu Seite. Theaterpädagogisch werden die Laienschauspieler von Ingrid Wiederhold betreut, während die Musiker durch qualifizierte Lehrer, wie Boris Bansbach, Einzel- und Gruppenunterricht in der MuFab erhalten. Weiterhin wird die Produktion durch ein Kamerateam begleitet, das die Proben dokumentiert und die Aufführungen aufzeichnet. So soll es später anderen Gruppen möglich sein, neben dem eigentlichen Script und den Partituren eine Anleitung durch einen Videofilm zu erhalten, die es ermöglicht, das Stück selbstständig zu einer Aufführung zu bringen.

„Das Ganze lebt von der Ur-Kraft, der Energie und dem Willen der Darsteller.“, meint Initiator Christian Wernekinck. Das scheint zu stimmen, denn mit einem riesigen Aufwand betreiben alle Beteiligte das Projekt. Die Songs werden mit den Musicalanwärtern zusammen komponiert und einstudiert; die Requisiten, die Maske sowie die Unmengen an Kunstblut werden in persönlicher Manufaktur hergestellt.

Das Stück selbst folgt der klassischen Form eines Dramas, besitzt aber noch einen Epilog und einen Cliff-Hanger, die typisch für das Horror-Genre sind. Ebenso wurden Elemente des britischen Kriminalstückes integriert. Bei „hide!“ handelt es sich nicht um eine klassische Theater-AG Schulaufführung. Alle Beteiligten haben sich essentiell mit der Novelle, der Problematik der Schizophrenie und natürlich mit der Musik auseinander gesetzt. „Es dauert zwar lange bis die Schüler aus sich herausgehen, aber nach der Auseinandersetzung mit der dramatischen Figur sind alle Kinder total verändert.“, konstatiert Christian Wernekinck. „Das Ziel ist es, Jugendliche aktiv im Bereich Musical und Theater zu beteiligen, indem sie an einer authentischen Musicalproduktion teilnehmen.“ Diese Aufgabe hat das Projekt im Vorhinein schon einmal mit Bravur gemeistert. Das Stück ist nominiert als herausragende Eigenleistung im Rahmen der 27. Kölner Schultheaterwoche.

Die Schirmherrschaft über das Projekt hat Dr. Jürgen Linden

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