scenario 2010 – Theaterfestival in Eupen

Veröffentlicht: 17. Mai 2010 in Theater

„Theater – Tanz – Comedy“

Eine junge Frau im roten Abendkleid und einem Karton auf dem Kopf bewegt sich anmutig zur Musik. Im Hintergrund tanzt ein Mädchen mit einer Mütze tief ins Gesicht gezogen. Ganz unbeteiligt steht zwischen den beiden Tänzerinnen ein weiteres Mädchen – regungslos und verloren.

In der nächsten Szene rennt ein junger Mann mit Karacho gegen eine Wand. Die anderen drum herum schauen zu, drehen sich weg – lassen ihn liegen.

Es sind „Strange Days Indeed“, in denen sich diese jungen Erwachsenen bewegen und ihre Position suchen. Da wirbeln sechs junge Leute über die Bühne, die Sprache nur bruchstückhaft und meist als Mittel der Nichtverständigung benutzen. Sie erzählen mit beredter Körpersprache von der Lust und der Not, sich in einer Welt zurecht zu finden, die sie nicht verstehen. Sie leben in einer Zeit der Verpflichtung zur Außergewöhnlichkeit. Wer nicht speziell ist, wird nicht beachtet. Die schrille Inszenierung dreht sich um die essentielle Frage: Wie kann ich in dieser Welt noch auffallen? Das Ringen um Aufmerksamkeit hat der belgische Choreograph Ives Thuwis mit sechs Jugendlichen vom jungen theater basel untersucht und damit eine einzigartige Performance geschaffen. „Wir

freuen uns sehr, dass wir in dem für uns völlig fremden Gebiet spielen können. Auch das Festival ist uns nur vom Hörensagen bekannt. Aber auch in unserem Stück geht es ja um den Umgang mit dem Fremden; um das lustvolle darauf-zu-gehen, egal wie befremdend es zunächst daherkommt. Insbesondere mit der Sprache des Tanzes scheinen Ländergrenzen leichter zu überwinden zu sein“, freut sich der Leiter des jungen theater basel, Uwe Heinrich, auf das scenario festival 2010. Es ist Theater auf Augenhöhe mit seinem Publikum, mit Themen, die jungen Menschen auf den Nägeln brennen.

Das Stück lebt von der Dynamik der Gruppe sowie den starken Gefühlen der einzelnen Tänzer, ganz nach dem Motto der Begründerin des Tanztheaters Pina Bausch: „Mich interessiert nicht, wie sich Menschen bewegen, sondern was sie bewegt.“

„Strange Days Indeed“ ist der heimliche Favorit des scenario Festivals 2010, welches vom 14.-19. März in Eupen statt findet. Zum 7. Mal hat die Kulturvereinigung Chudoscnik Sunergia wieder ein internationales Programm aus den verschiedensten Formen des (Tanz)Theaters zusammengestellt. Künstler aus Belgien, Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen sieben Tage lang ihre kreativen, kritischen und auch kindgerechten Produktionen.  Von Musiktheater, Tanztheater bis Figurentheater wird eine große Bandbreite der Theaterformen geboten, die nicht für ein elitäres Publikum gedacht sind, sondern für Jedermann in der Euregio-Mass-Rhein. Die Aufführungen sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie sehen sollen.

Es werden Geheimtipps und Senkrechtstarter die Bühnen mit Leben füllen. Das Eupener Trotz Ensemble ist so ein Senkrechtstarter. Mit  „Love is strange (rough cut)“ bringen sie ein entschieden interdisziplinäres Stück, das eine Mischung aus szenischem Konzert, musikalischer Performance und untheatralischen Theaterstück ist. Ein Kaleidoskop von Traumbildern mit getanzten Monologen und visuellen Dialogen. Die fünf Darsteller werden in vier Sprachen ihre Visionen, Gedanken und Phantasien zu einem vielschichtigen Gruppenbild zusammenfügen. Es ist ein schräges, lautes Stück, das sich ganz stark vom traditionellen Theaterbegriff entfernt.

Wer nicht so experimentierfreudig ist und lieber einen Klassiker sehen möchte, hat die einmalige Gelegenheit „Faust spielen“ in Rekordzeit präsentiert zu bekommen. Wo andere lange Bühnenstücke inszenieren schaffen es Wilde & Vogel vom Leipziger Figurentheater gemeinsam mit dem Wiener Christoph Bochdansky die Tragödie in 70 Minuten zu performen. Getreu dem Originaltext, aber stark virtuos ist das Stück traditionell verbunden und dennoch innovativ. Mit Maske, Marionette und Figuren, die frei gespielt werden, ist dieses mystisch-lustvolle Spektakel eine Mischung aus  Schauspiel und Figurentheater.

Leichtere Kost hingegen ist das Vollplaybacktheater, welches „Ein Fall für TKKG“  mit Hilfe der Originalhörspielkassetten inszenieren wird. Auf dem Szenario Festival 2010 spielt das Vollplaybacktheater das Stück „TKKG – Das Paket mit dem Totenkopf (Folge 4)“.

Aus Aachen wird Lotte von der Inde beim „Erzählabend“ zu sehen sein. In einem ruhigen Ambiente soll das Publikum sich ruckzuck wieder wie ein Dreijähriger fühlen, der sich eine Geschichte erzählen lässt. Lotte von der Inde, eine Meisterin der Erzählkunst wird Geschichten aus dem Hohen Venn, das sich an  der Grenze zwischen der Eifel und Belgien befindet, zum Besten geben. Mit den Geschichten „Der Schneider vom Venn“ „Venngeist und Moorhexe“, „Der Drache als Schatzwächter“, „Der glöhnige Mann“, „Das Buschweibchen“ und „Der Perlensucher“, wird sie das Publikum mitnehmen auf eine Reise durch die Hoochmoorlandschaft.

Mit diesem vielfältigen Programm stellt der Veranstalter Chrudosnic Sunergia erneut seine Experimentierfreude und Offenheit unter Beweis und präsentiert Kunst aus einer zeitgenössischen Perspektive.

Scenario 2010

„Theater – Tanz – Comedy“

14.-19.März 2010

Eupen

Veröffentlicht: Klenkes – Das Stadtmagazin

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