Mit ‘NRW’ getaggte Beiträge

Die Vital Messe bietet Informationen rund um die Themen Gesundheit, Fitness und Prävention auf geballten Raum. Rund 100 Aussteller werden drei Tage lang den Besuchern des EUREGRESS Rede und Antwort stehen und neuste Trends im Gesundheitssektor präsentieren. Neben einem medizinischen Fachprogramm wird es auch jede Menge Vorträge zu unterschiedlichen Themen abseits der Schulmedizin geben. Eine abwechslungsreiche Bühnenshow rundet das Programm ab. Die elfte Vital-Messe wird eine Familienveranstaltung, so dass es auch für Kinder und Jugendliche einiges zu entdecken gibt.

Eine gesunde Mischung

Die Vital Messe richtet sich mit ihrem vielfältigen Themenangeboten an ein breites gesundheitsorientiertes Publikum – vom Senior bis zum Junior ist für jeden was dabei. An den Messeständen haben die Besucher die Möglichkeit direkt mit den Gesundheitsprofis ins Gespräch zu kommen. Unter den Ausstellern sind Experten jeder Coulour: Vom Sachverständigen für Schimmelpilze, über diverse Hilfsorganisationen, Vertreter von örtlichen Krankenhäusern bis zum Steuerberater für Heilpraktiker. Auch gesunde Ernährung und Bewegung sind dieses Jahr ein großes Thema. So kann man sich schnell einen Überblick über die Angebote von biologischen Lebensmitteln und die umfangreichen Bewegungsangebote verschaffen, die gerade  angesagt sind. Auch rund um das Thema Wasser wird es viele Informationen geben, ob zum Aachener Thermalwasser, zu ernergetisierten oder gefiltertem Trinkwasser – der richtige Umgang mit Wasser als Getränk ist aktueller denn je.

Vital Messe ist Publikums- und Fachmesse

Rund vierzig Fachvorträge von namenhaften Ärzten und Experten stehen auf dem Programm. Die Vorträge werden so gestaltet sein, dass sie von Laien wie von Experten gleichermaßen gut verstanden werden können. Das Spektrum reicht dabei von orthopädischen Themen, über die Notfallmedizin bis hin zur Krebsvorsorge. Aber auch die Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen fühlen am Zahn der Zeit. Gleich mehrere Vorträge zum Thema Herzrythmusstörungen stehen daher auf der Agenda.

Gefragt sind ebenso Vorträge über den Umgang mit Krankheiten im Alter. In seinem Vortrag „Ist heute nicht Sonntag…?“ wird Dr. med. Rudolf Halacher, Chefarzt für Geriatrie und geriatrische Rehabilitation (Medizinisches Zentrum StädteRegion Aachen), am Freitagnachmittag den Umgang mit an Demenz Erkrankten im Alltag erläutern. Aber auch zu klassische Themen, wie Bandscheibenvorfall, Gelenkverschleiß oder Rückenschmerzen kann Expertenrat eingeholt werden.

Experten abseits der Schulmedizin

Ein ganzer Konferenzsaal ist Vorträgen gewidmet, die abseits der Schulmedizin viele Symptome und Krankheitsursachen beleuchten. Hier findet der Ratsuchende wichtige Tipps, wie etwa zu Themen der Hirnforschung, der Erziehung oder zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Um sein Gedächtnis fit zu halten, lädt sowohl am Freitag wie auch am Sonntag Dipl. Sozialpädagogin Hildegard Etzbach zu einer Schnupperstunde in Gedächtnistraining ein. Aber auch zu Problemfeldern wie der Drogenmissbrauch bei Kindern oder das Verstehen von Borderline-Syndromen kann man sich wertvolle Hinweise bei Experten abholen. Am Samstag Nachmittag beispielsweise wird Dipl. Psychologin Hannah Janßen über „Übergewichtigkeit und die Entwicklung in der Kindheit“ referieren. Aber auch ganz alltägliche Dinge sind Gegenstand von Vorträgen, wie etwa die Auswirkung von Kaffee auf unseren Körper.

Viel los auf der Bühne des Brüssel-Saals


Neben viel Information und Serviceangeboten kann der Besucher Zerstreuung im Brüssel-Saal suchen. Geboten werden orientalische und moderne Tänze, wie Jazzdance oder Breakdance. Mit dabei sein werden die Ballettschule Brigitte Erdweg, die Tanzgruppe des TV Weiden und die Tanzformation des TSC Grün-Weiß Aquisgrana. Mehrere Kindergruppen werden außerdem Theaterstücke und Einradperformances zum Besten geben. Zum aktiven Mitmachen lädt an zwei Tagen Irit Gottschalk von „Body & Soul Aachen“  ein. Mit Pilates und Yoga können die müden Knochen gedehnt, entspannt und gekräftigt werden. Hier werden Rückenschmerzen vorgebeugt, die Beweglichkeit gefördert und ganz nebenbei die Figur geformt. Am Sonntag werden abschließend drei ausgewählte und vorbildliche Projekte mit dem VITAL-Gesundheitspreis ausgezeichnet.

Nachdenken und Mitmachen für Kinder

Auch für Kinder und Jugendliche wird es spannend auf der diesjährigen Gesundheitsmesse. Zu Gast bei Vital ist „Der Strandläufer“ – das Umweltspielmobil von der Ostseeküste. An Board ist ein Meerespädagoge aus dem deutschen Norden, der den Kindern alle Fragen rund um das Meer, seine Bewohner und den Strand beantworten wird, die ihnen auf der Zunge brennen. Z.B.: Kann die Ohrenqualle hören, sind Seepocken ansteckend, gibt es Haie und Wale in der Ostsee und wo sind die Gezeiten geblieben…? Es darf aber auch fleißig angefasst, mitgemacht und gebastelt werden. In der Bernsteinwerkstatt können die Kinder aus einem unbehandelten Bernsteinstück ihren eigenen Schmuck herstellen und beim kleinen Paläontologen darf man sich versteinerte Fossilien, wie Hai- und Rochenzähne, Trioboliten, Donnerkeile, Seeigel und andere interessante Exponate von allen Seiten ansehen.

Weitere Informationen finden Sie im Netz unter: http://www.vital-messe.de

Advertisements

Im September ist es wieder soweit. Zum elften Mal veranstalten der StadtSportBund Aachen und der Runners Shop den Benefizlauf. Für Viele ist es bereits eine beliebte Tradition das eigene sportliche Engagement für einen guten Zweck einzusetzen. Die Einnahmen aus den Startgeldern kommen dieses Jahr dem Förderkreis Schervier Taler zugute. Die Initiative Für einen Taler bietet Obdachlosen in der Kleinmarschierstraße, in der Franziska-Schervier-Stube, ein kleines Frühstück oder eine Suppe. Gestartet wird in verschiedenen Klassen auf unterschiedlich langen Strecken. Senioren, Mütter und Väter mit und ohne Kinderwagen, Schüler und Bambinis geben rund um den Elleterberg Vollgas. Auch Freunde des Nordic Walking können ihre Ausdauer unter Beweis stellen. Neben passionierten Freizeitsportlern werden ebenso Stars der Aachener Laufszene an dem Wettkampf teilnehmen. Unterstützt wird die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder von dem Hauptsponsor Takeda Pharma.

Aachen. Graue Asphaltflächen, öde Wände und abgenutzte Spielfelder – so stellt sich momentan die Schulhofsituation am Mädchengymnasium St. Ursula dar. Die triste Atmosphäre auf dem Pausenhof wollen die jungen Mädchen nicht länger hinnehmen. Seit Jahren schon ärgern sich die Schülerinnen der Mädchenschule über den in die Jahre gekommenen und wenig attraktiven Schulhof. Nun wollen sie etwas verändern. Zusammen mit zwei Architektinnen gründeten einige Mädchen eine Arbeitsgemeinschaft zur Verschönerung der Außenanlagen. Waren es anfangs noch eine Hand voll Begeisterte, die sich an die Planung der Umgestaltung setzten, so sind es mittlerweile bereits 14 Schülerinnen und zwei Lehrer, die sich mit Herzblut dieser Aufgabe widmen.

Schülerinnen und Lehrerinnen des Gymnasiums St. Ursula

Schülerinnen und Lehrerinnen des Gymnasiums St. Ursula

Im Rahmen des „Kammer in der Schule“-Projekts (KidS) der Architektenkammer NRW entwickeln Schülerinnen und Architekten unter dem Motto „Drei neuen Zonen für unseren Schulhof“ Ideen und Pläne zur Verschönerung des Pausenbereiches. Konkret sollen drei Bereiche in Angriff genommen werden, die vor allem die Aufenthaltsqualität auf dem Schulhof verbessern sollen.

Die frühere Sprunggrube, die schon lange nicht mehr genutzt wird, soll zu einer Ruhe- und Relaxzone umgestaltet werden. Am liebsten hätten die Schülerinnen hier eine Hängematten-Landschaft, in der sie es sich in den Pausen gemütlich machen könnten. Doch bisher fehlt es an realisierbaren Konzepten, da es keine Möglichkeiten zur Aufhängung gibt. Bislang haben sich daher die Macher entschieden zumindest eine Bumerang-Bank zu errichten, um vorerst eine schöne Sitzecke zu gestalten sowie ein Banner mit einem fröhlichen Motiv an der noch grauen Sporthallenwand aufzuhängen.

Eine weitere Baustelle ist der Hang, der zwei Bereiche des Pausenhofs verbindet und bisher als öde Lehmbodenlandschaft ungenutzt brachliegt. Auch hier sollen in erster Linie Sitzmöglichkeiten und Liegeflächen entstehen, die bislang auf dem Schulhof nicht vorhanden sind. Somit könnte der Hang zu einem Erholungs- und Kommunikationsraum aufgewertet werden.  Die Schülerinnen stellen sich an dieser Stelle Treppenstufen und Holzstämme vor, auf denen man sitzen und verweilen könnte.

Als drittes Projekt soll das Schulhof-Biotop nach dem Wunsch der Schülerinnen künftig als naturnaher Freizeitbereich nutzbar sein. Dazu soll eine Brücke über den Bioteich geschlagen werden. Außerdem soll der Trampelpfad rund um die Grünfläche befestigt werden. Ein besonderes Highlight soll eine Grillfläche werden, die auf einem nicht mehr funktionsfähigen Trinkbrunnen entstehen soll. Akzentuiert wird der Grillplatz mit einem Sonnensegel.

Schülerinnen des St. Ursula Gymnasiums gestalten ihren Pausenhof

„Wir wollen mit Ihrer Hilfe unseren Schulhof zu einem der schönsten in Deutschland umgestalten“, stellt Dana (15) das ambitionierte Projekt am 05. Juli in der Aula von St. Ursula vor. „Nach der anstrengenden Zeit im Klassenraum möchten wir uns im Freien erholen können. Im Moment sieht es nicht so schön bei uns aus, deswegen möchten wir uns dafür einsetzen, dass sich hier was tut“, erläutert die Neuntklässlerin weiter. So sieht das auch Anna (13), die sich ebenfalls in der AG für das Schulhof-Projekt engagiert „Es geht ja nicht nur um die aktuellen Schüler an der Schule, sondern auch um all die Generationen, die noch kommen werden. Alle sollen sich erholen können!“

Während die jüngeren Schüler in der Pause toben, fehlt es den älteren Schülern an gemütlichen Orten, an denen sie zusammen kommen und quatschen können. Bislang sitzen die Mädchen in den Pausen auf den wenigen vorhandenen Treppen, der Tischtennisplatte oder auf Schaumstoffsitzen. Die Bestandsaufnahme der Schülerinnen  fiel dementsprechend schlecht aus. Es gibt noch eine Menge Potential, das es zu heben gilt.

Deswegen bekommen die Mädchen seit dem Herbst 2009 professionelle Unterstützung von den Architektinnen Martina Dubois und Cornelia Fränz. Zusammen mit den Profis lernen die jungen Planerinnen, wie man so ein Projekt angeht und umsetzt. Zuerst mussten die Kosten ermittelt werden, damit ein Finanz- und Zeitplan erstellt werden kann. „Wir haben das Projekt mal grob umrissen. Für die Umsetzung aller drei Bereiche benötigen wir ein Investitionsvolumen von insgesamt 40.000 Euro.“, erklärt Cornelia Franz. Eine erste Anschubfinanzierung hat der Förderverein der Schule zugesagt. Um die weiteren Kosten zu decken, suchen die 788 Schülerinnen von St. Ursula nun nach Sponsoren, die sowohl Geld als auch Material spenden wollen.

„Auch das ist ein wichtiger Teil unserer KidS-Projekte“, erklärt Gabriele Richter von der Architektenkammer NRW. „Jedes Planungs- und Bauprojekt muss genau kalkuliert werden und die Finanzierung sichergestellt werden ein wichtiger Lerneffekt.“

Das Schulhof-Projekt an St. Ursula ist bereits das 15. Projekt der Architekturkammer NRW im Rahmen des Aktionsprogramms „Architektur macht Schule!“, aber es ist das erste Projekt an einer reinen Mädchenschule. Ziel der Initiative ist es Schülerinnen und Schüler für ihre gebaute Umwelt zu sensibilisieren, ihnen die Augen zu öffnen für (städte-)bauliche Probleme in ihrer Umgebung und ihnen zu vermitteln, dass sie ihre Umwelt bewusst beeinflussen sowie gestalten können. Eine umfassende Darstellung des Aktionsprogramms „Architektur macht Schule!“ findet sich im Internet unter www.architektur-macht-schule.de.

Die Leiterin des St. Ursula Gymnasiums, Josefine Marsden, freut sich über das Engagement ihrer Schülerinnen und möchte die Entwürfe gerne realisieren. „Wir möchten durch das Projekt an unserer Schule unter anderem zeigen, dass es in der immer noch männerdominierten Architekturszene auch Frauen gibt, die tolle Sachen planen und bauen. Wir möchten die Mädchen stärken und aus ihnen raus holen, was in ihnen steckt“, freut sich die Schulleiterin.

Das Projekt „3 Zonen für unseren Schulhof“ soll im Verlauf des Schuljahrs 2010/2011 umgesetzt werden; alle Beteiligten hoffen, dass die Einweihung der neuen Schulhofbereiche im Frühsommer 2011 erfolgen kann.

Veröffentlicht in: Aachener Zeitung

Zu groß, zu komplex, zu viel gewollt. Eine Studie belegt, dass die Euregionale 2008 bei den Bürgern kaum angekommen ist. Und es zeigt sich, dass viele Akteure im Fördergeld-Rausch schlicht überfordert waren. Einzelprojekte wie die Klangbrücke in Übach-Palenberg haben bei den Menschen vor Ort sogar zu wütenden Protesten geführt. Ein Bericht von Klenkes-Autorin Sonja Ceri

Gut gelaunt sitzt Regina Dechering in ihrem Bürosessel im Rathaus von Inden und das, obwohl sie bis zum Scheitel in Arbeit steckt. Die blonde Planerin leitet das Mammutprojekt Indemann – das architektonische Wahrzeichen der Euregionale 2008.

Der Indemann besteht aus 20.000 stählernen Einzelteilen, 280 Tonnen Stahl, ist 36 Meter hoch und ausgestattet mit 45.655 LED-Leuchten. Es war ein langer Weg bis dieses 5,5 Millionen Euro teure Kunstwerk geschaffen werden konnte, vor allem wenn man bedenkt, dass das Team rund um Frau Dechering nur aus drei Leuten besteht. Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es fünf Jahre. Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Bis zu 2.000 Besucher besteigen an einem einzigen Wochenende mittlerweile die Symbolfigur im Indeland. Somit ist das Projekt Indemann eines, welches in der Region und bei der Bevölkerung angekommen ist.

t.

Das kann man leider nicht von allen Projekten behaupten, die 2008 auf der to do-Liste des Strukturförderprogramms Euregionale standen.  Ziel des Programms war es über die Aachener Grenzen hinaus, bestimmte Wirtschaftszweige, wie etwa den Tourismus, voran zu bringen. Bürgermeister und Chefplaner nahmen sich Großes vor und brachten acht Gebietskörperschaften und 68 deutsche, belgische und niederländische Kommunen an einen Tisch. Noch nie zuvor haben so viele unterschiedliche Akteure aus der Drei-Länder-Region versucht, an einem Strang zu ziehen und grenzüberschreitende Projekte in die Tat umzusetzen. Aus 65 Vorschlägen wählte ein Arbeitskreis rund 40 Projekte aus, die es mit ein Fördervolumen von 132 Millionen Euro umzusetzen galt.

Schon zu Beginn der Planungsprozesse im Jahr 2003 zeigte sich die Komplexität der Aufgabe. Was viele damals schon ahnten, belegt nun auch eine Studie des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS): Die Euregionale war viel zu kompliziert und geprägt von abstrakten Begriffen, so dass ein eigenständiges Profil nur schwer erkennbar, geschweige denn kommunizierbar gewesen ist. Das in Aachen durch ein Bürgerbegehren zu Fall gebrachte Leuchtturmprojekt „Bauhaus Europa“ hat diese Aussage eindrucksvoll im Jahr 2006 vorweg genommen. Die abschließende Evaluation belegt nun, dass nur eine „regionale Planungselite“ und nicht die Bevölkerung mit den Ideen der Euregionale erreicht wurde.

Es gab zahlreiche Akteure aus Politik, Planung und Verwaltung, die von Anfang an Vorbehalte hatten, aber auch im Nachhinein der Meinung sind, dass die Euregionale viel zu politiklastig war.  So auch der Umwelt- und Stadtplaner Ajo Hinzen vom Büro für Kommunal- und Regionalplanung (BKR), das für das Projektmanagement bei einigen Großprojekten der Euregionale zuständig war. Hinzen findet, dass der Planungsprozess ein guter Ansatz war, um die trinationale Region auf der politischen Ebene zusammen zu führen.

Aber aus meiner Sicht ist es ein Defizit, dass man die anderen Ebenen, wie bürgerschaftliche Engagements oder die Fachleute auf der Planerebene, die auch sehr wichtig sind für einen Entwicklungsprozess, nicht in dem Maße einbezogen hat, wie es sinnvoll gewesen wäre. Da hat es 2008 tolle Festivitäten gegeben, ist der Funke dieser Veranstaltungen ja nicht
übergesprungen, so Hinzen.

Immerhin ist diese Kritik, dass die Öffentlichkeit für den gesamten Planungs- und Umsetzungsprozess kaum gewonnen werden konnte,  mittlerweile auch bei den Verwaltungs- und Politikspitzen in NRW angekommen.

Nach dem Auslaufen der Förderungen ist das über Jahre angesammelte Know-how der trinationalen Projektplanung in drei großen Papiercontainern verschwunden, was den Begriff der Nachhaltigkeit, der in jeder einzelnen Imagebroschüre hervorgehoben wurde, in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Stephan Baldin von der Aachener Kathy Beys Stiftung hat als Ur-Ideen-Geber des Euregionale-Projektes „Grünmetropole“ seine Erfahrungen gesammelt: „Hier ist nicht nur regionales Know-how versickert, so ein Umgang mit Wissensressourcen lässt an den Grundfesten unserer Verwaltung zweifeln.“ Das Projekt Grünmetropole entstand wiederum aus dem Wettbewerb „Industrielle Folgelandschaft“ und erschließt mit zwei touristischen Routen die ehemaligen Bergbaugebiete in der Euregio Maas-Rhein. Das gelungene Projekt findet mittlerweile internationale Anerkennung und wurde sogar mit mehreren Preisen ausgezeichnet, wie dem European Urban and
Regional Planning Award 2008 des Europäischen Rates für Raumplanung sowie 2006 mit dem Sonderpreis des Deutschen Städtebaupreises.

Mit Auszeichnungen können sich nicht viele der Projekte schmücken. Fakt ist eher, dass sich einzelne Akteure wahrlich übernommen haben, wie das Beispiel der Klangbrücke zeigt. Zwei Jahre nach der großen Initiierung steht die Klangbrücke zwischen dem Willy-Dohmen-Park und dem Naherholungsgebiet Wurmtal in Übach-Palenberg mit ihren vom Wind dirigierten Klangelementen still. Bauliche Querelen einerseits, bürgerliches Begehren gegen den zu erwartenden Musiklärm andererseits, ließen das einst als Highlight der Euregionale gepriesene Projekt zum Sorgenkind werden.

Ursprünglich  sollten an der weltweit einzigartige Brücke tausend Windspiele klingen. Nach Messungen am Modell und schalltechnischen Berechnungen musste radikal abgespeckt werden. So sollten lediglich 60 Windspiele erklingen, doch zurzeit hängt kein einziges. Auch das Stahlskelett wurde von ursprünglich 100 Tonnen auf nun 60 Tonnen Stahl verschlankt – das Budget wird derweil immer fetter: Rund 1,1 Millionen hat die nackte und unzugängliche Klangbrücke bislang verschlungen.


War die Euregionale mit dieser Vielzahl an Projekten und rund 150 Veranstaltungen vielleicht eine Nummer zu groß? War es zu idealistisch zu denken, 68 Städte und Gemeinden könnten etwas zur euregionalen Zusammengehörigkeit beitragen, die sich historisch noch nicht vollzogen hat?

Das abstrakte Konstrukt  Euregionale 2008 hat leider im Alltag der Bewohner der Region keine Spuren hinterlassen. Eher einzelne, herausragenden Projekte, wie der Indemann oder die Grünmetropole. Aber was ist bei diesen beiden Projekten anders oder besser gelaufen? Regina Dechering gibt einen ersten Erklärungsansatz:

Wenn ein Tagebau 80 Prozent der Planung des Gemeindegeschehens bestimmt, ist es ganz klar, dass man sich mit einem anderen Engagement einsetzt und mit einer anderen Betroffenheit kämpft. Mit Inden verbindet man ein Kraftwerk, Dreck, Staub und ein riesiges Loch. Aber das ist gleichzeitig unser größter Wirtschaftsfaktor, denn alles hängt hier vom Tagebau ab. Wir wollten weg von diesem dreckigen Image und hin zu einer Landschaft, die man gerne in seiner Freizeit besucht.

Eine weitere Erklärung liegt in der Bürgernähe, die während des gesamten Entwicklungs- und Umsetzungsprozess gesucht wurde. Bürgerbriefe, Versammlungen, Infomaterial und spezielle Veranstaltungen hielten konstant die Bevölkerung auf dem Laufenden. So fand das Projekt von Anfang an Akzeptanz bei den Bürgern, aber auch von Seiten der Politik, die Regina Dechering und ihr Team sehr sachorientiert und unbürokratisch unterstützte. „Ohne die Euregionale hätten wir den Indemann niemals gestemmt“, meint Dechering.

Vor allem aber hat der Prozess viele Leute dazu bewogen, umzudenken und in ihrem Arbeiten anders zu werden.

Veröffentlicht in: Klenkes – das Stadtmagazin Ausgabe 05/2010